NACHLESE zur Medienpädagogischen Werkstatt im Landkreis Spree-Neiße zum Thema KI

Die Medienpädagogische Werkstatt mit dem Titel „Unterstützung von Verwaltungsaufgaben der Jugendhilfe mit Künstlicher Intelligenz“ fand am 02.03.2026 im Jugendclub „PHOENIX“ in Burg (Spreewald) statt.

Haltung zeigen: Wie Fachkräfte generative KI einordnen

Zum Auftakt positionierten sich die Teilnehmenden entlang zentraler Haltungsfragen zum Einsatz von KI in der Jugendarbeit.

Sollte ich Sachberichte selbst schreiben, um wirklich die wichtigen Punkte herauszustellen?

Die Rückmeldungen zeigten eine grundsätzlich pragmatische Offenheit. KI wurde als „gute Formulierungshilfe“ und als Möglichkeit zur „Zeitersparnis“ beschrieben. Gleichzeitig betonten mehrere Fachkräfte: „Durchdenken muss ich es eh selbst“ und „Das sind ja meine Gedanken.“ KI erscheint hier weniger als Ersatz, sondern als Werkzeug zur Strukturierung und sprachlichen Verdichtung eigener Inhalte.

Verlernt man das Denken durch die Nutzung von KI?

Die Einschätzungen fielen differenziert aus. Einigkeit bestand darin, dass bei unkritischer Nutzung ein Risiko besteht. „Das hängt vom Alter ab“ und „Kommt drauf an, wofür ich es verwende“ lauteten weitere Stimmen. Während KI zur Informationsbeschaffung als potenziell problematisch für eigenständiges Denken eingeschätzt wurde, sah man bei der Eigenproduktion – sofern kritisch geprüft – weniger Gefahr. Konsens war: Es braucht menschliche Kontrolle.

Ist KI in Krisensituationen hilfreich?

Hier zeigten sich klare Grenzen. KI könne als Impulsgeber dienen oder erste Anregungen bieten. Gleichzeitig wurde betont, dass sie „nicht emotional auffangen“ könne, da ihr Empathiefähigkeit fehle. Sensible Bereiche bräuchten menschliches Feingefühl und eine tragfähige Vertrauensbasis – insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Positive Erfahrungen aus dem privaten Umfeld wurden zwar erwähnt, dennoch überwog die Haltung, dass Technik persönliche Beziehung nicht ersetzen darf.

Sollten Kinder und Jugendliche KI für die Hausaufgaben nutzen?

Auch hier wurde ein reflektierter Umgang eingefordert. Kompetenzen im Umgang mit KI seien Voraussetzung, zudem spiele Alter bzw. Entwicklungsstand eine zentrale Rolle. „Für Hausaufgaben sollte man den eigenen Kopf benutzen“, lautete eine Stimme. Gleichzeitig wurde angeregt, auch die Form von Hausaufgaben selbst kritisch zu hinterfragen. KI kann unterstützen – jedoch nicht die eigenständige Lernleistung ersetzen.

Insgesamt wurde deutlich: Die Fachkräfte begegnen KI weder euphorisch noch ablehnend, sondern mit einer professionell-reflektierten Haltung.

Impulse aus der Praxis: KI realistisch einschätzen

Im zweiten Teil gab die Medienwissenschaftlerin und -pädagogin Maria Bauer Einblick in den aktuellen Stand und die Dynamik von KI-Anwendungen.

Einleitend erklärte sie, dass der Workshop den Schwerpunkt auf generative Künstliche Intelligenz, insbesondere Chatbots, legt.

Ein zentrales Bild prägte sich ein: KI ist nicht allwissend, sondern eher wie eine „voreiliger Kollege“, der schlau, eloquent und nett wirkt, aber zu viel, zu schnell und zu undifferenziert produziert. Diese Analogie kann helfen Erwartungen zu justieren: KI wirkt kompetent und einfühlsam, denkt jedoch nicht logisch und fühlt auch nicht im menschlichen Sinne.

Deutlich wurde auch, wie schnell sich KI-Systeme verändern. Prompting-Strategien, die vor einem Jahr funktionierten, sind heute teils überholt. Während man 2024 noch mit detaillierten Einzelbefehlen zu einem passablen Ergebnis kam, liegt der Fokus heute auf übergeordneten Zielen, agentischem Denken und klaren Leitplanken. Dahingegen erzeugen Höflichkeitsfloskeln nur unnötige Daten – KI ist kein Mensch, sie braucht keine soziale Einbettung, sondern klare Arbeitsaufträge. Mehr praktische Prompting-Hinweise finden sich im Begleitpad der Veranstaltung unter Materialien und Linktipps.

 

Erprobung im Workshop: KI praktisch testen

Im Workshop arbeiteten die Teilnehmenden an sechs Stationen und experimentierten mit einem Chatbot. Amschließend wurden die Erfahrungen gemeinsam ausgewertet.

  1. Protokoll
  2. Förderantrag
  3. E-Mails und Briefe
  4. Einfache Sprache
  5. Tätigkeitsbericht
  6. Freie Erkundung

 

Zentrale Erkenntnisse aus der Praxisphase:

  • Textsortenabhängiger Nutzen: Besonders bei standardisierten Verwaltungsformaten zeigt sich Entlastungspotenzial durch Zeitersparnis.
  • Qualität durch Prompting: Präzise Arbeitsaufträge verbessern Ergebnisse deutlich.
  • Kritische Prüfung bleibt unverzichtbar – fachlich wie datenschutzrechtlich.

Konkrete Praxistipps:

  • Arbeitsaufträge in klaren Einzelschritten formulieren.
  • Eine teaminterne Prompt-Bibliothek für Standardtexte anlegen.
  • Eigene Quellen einspeisen und die KI gezielt zum Lesen und Verarbeiten auffordern.
  • Handschriftliche Protokolle abfotografieren und transkribieren lassen.

Fazit der Fortbildung

Der Fokus der Fortbildung lag auf der reflektierten und praxisnahen Auseinandersetzung mit generativer KI als Arbeitsinstrument in der Jugendarbeit – insbesondere im Bereich der Verwaltungsaufgaben. Es ging um professionelle Einordnung: Wo unterstützt KI sinnvoll? Wo liegen Grenzen? Und welche Haltung braucht es im Umgang mit ihr?

Die wichtigste Erkenntnis war: KI ist ein Werkzeug – nicht mehr und nicht weniger. Sie kann Zeit sparen, Texte strukturieren und Denkprozesse anstoßen. Sie ersetzt jedoch weder fachliche Kompetenz noch pädagogisches Verantwortungsbewusstsein. Entscheidend ist die menschliche Kontrolle.

Eine zentrale Anregung war, KI als „assistierende Kolleg*in“ zu verstehen: hilfreich, produktiv, manchmal vorschnell und nicht immer treffsicher. Wer sie nutzt, muss führen. Das bedeutet, Ziele klar zu formulieren, Aufgaben in Schritte zu gliedern, Ergebnisse zu prüfen und Datenschutz mitzudenken.

Ebenso wichtig ist die Frage nach dem bewussten Nicht-Einsatz – aus fachlichen, pädagogischen oder ökologischen Gründen.

Diese Medienpädagogische Werkstatt war ein Angebot des lmb e.V. im Rahmen des Projekts jumblr – Jugendmedienbildung im ländlichen Raum und wurde in Kooperation mit der Diakonisches Werk Niederlausitz gGmbH durchgeführt. Das Projekt jumblr wird gefördert durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg.

5. März 2026