Das Internet – immer eine Reise wert
Jugendarbeit als Gesellschaftsbildnerin
Am 26. Juni 2025 fand das Bildungspolitische Forum des Landesfachverbands Medienbildung Brandenburg e.V. an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus statt. Unter dem Motto „Das Internet – immer eine Reise wert“ diskutierten Politik, Praxis und Zivilgesellschaft über die Zukunft der digitalen Jugendarbeit in Brandenburg.
Die Veranstaltung beleuchtete eine zentrale Frage: Wie kann Jugendarbeit in einer digitalisierten Welt junge Menschen erreichen, begleiten und stärken?
Nach der Begrüßung durch Dr. Florian Kerkau, Geschäftsführer des lmb e.V., und Frank Feuerschütz, Vorstandsvorsitzender des lmb e.V., hielt Prof. Dr. Daniela Cornelia Stix von der BTU Cottbus ein Grußwort, das den Ton für die gesamte Veranstaltung setzte. Sie beschrieb Jugendarbeit als „Gesellschaftsbildnerin“ – eine Kraft, die nicht nur bildet, sondern auch kritisch hinterfragt und interveniert, wo gesellschaftliche Grenzen die Teilhabe junger Menschen einschränken.
Stix betonte, dass digitale Technologien immer neue Aushandlungen des Sozialen erfordern. In einem hybriden Ensemble aus Analogem und Digitalem müsse Jugendarbeit junge Menschen dabei begleiten, Urteilsfähigkeit und kritische Distanz zu entwickeln. Besonders in Zeiten, in denen algorithmische Filterblasen den Zugang zu Informationen prägen und rechtsextreme Tendenzen digitale Räume vereinnahmen, sei die bildende Rolle der Jugendarbeit unverzichtbar.
„Die Jugendarbeit kann jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen, in denen das Digitale nicht nur von rassistischen und rechtsextremen Tendenzen vereinnahmt wird, sondern wo das Digitale Teil einer partizipativen und toleranten Gesellschaft ist“, so Stix. Ihr Appell: Räume schaffen, in denen Vertrauen wächst und Resonanz entsteht und das analog als auch digital.
Die Trennung von analog und digital ist eine Fiktion
Georg von Rechenberg, Referent für Digitale Jugendbeteiligung beim Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern, hielt die Keynote des Forums. Seine zentrale These: Unsere Alltagsrealität ist hybrid. Die Trennung zwischen analog und digital ist eine künstliche Konstruktion.
Von Rechenberg räumte mit zwei gängigen Missverständnissen auf: Erstens bedeutet „digital“ nicht automatisch „online“. Digitale Werkzeuge können auch bei Präsenztreffen genutzt werden. Zweitens ist das, was im digitalen Raum passiert, nicht weniger real. Cybermobbing, Beziehungen in Online-Games, Kommunikation über Messenger; all das sorgt für handfeste Gefühle und prägt die Persönlichkeitsentwicklung.
„Digitale Teilhabe ist heute eine Bedingung für gesellschaftliche Teilhabe“, betonte von Rechenberg. Wenn Jugendliche keinen Zugang zur digitalen Welt haben, wird ihre Persönlichkeitsentwicklung in der Auseinandersetzung mit Freunden erschwert. Deshalb sei gute digitale Jugendarbeit immer hybride Jugendarbeit.
Podiumsdiskussion: Wohin geht die Reise?
In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von T!na Knop, diskutierten Vertreter*innen aus Politik und Praxis über die konkrete Umsetzung digitaler Jugendarbeit in Brandenburg. Auf dem Podium saßen neben dem Keynote-Speaker Georg von Rechenberg:
Falk Peschel (BSW, MdL), der parlamentarische Geschäftsführer der BSW-Fraktion, Lennox Doernbrack (Referent für Kinder- und Jugendbeteiligung) und Daniel Gensigk, (Leiter Jugend(sozial)arbeit beim DRK Kreisverband Fläming-Spreewald).
Die Diskussion machte deutlich: Digitale Jugendarbeit wird vielerorts noch nicht ausreichend umgesetzt. Es fehlt an einer ausreichenden technischen Infrastruktur, konzeptioneller Klarheit und ausgebildeten Fachkräften. Digitale Formate existieren punktuell, sind aber keine flächendeckende Praxis. Besonders problematisch dabei sind die Wissens- und Kompetenzdefizite bei Fachkräften. Viele – insbesondere ältere – Fachkräfte fühlen sich selbst unsicher im Umgang mit digitalen Medien. Die dabei außerdem auftretende Angst vor Fehlern oder Datenschutzproblemen verhindert Innovationen. Erschwerend hinzu kommen Ungleichheiten zwischen Kommunen und fehlende verbindliche Standards auf Landesebene.
Die im Verlauf der Podiumsdiskussionen formulierten Forderungen waren klar: Es brauche institutionelle, strukturverbindliche Förderungen statt kurzsichtige Projektfinanzierungen, eine Gleichbehandlung von Kommunen unabhängig von ihrer finanziellen Lage und eine Art ‚Sondervermögen‘ für Bildung und Kultur.
Fazit: Gemeinsam Strukturen schaffen
Das Bildungspolitische Forum 2025 machte deutlich: Digitale Jugendarbeit ist kein Luxus, sondern die gesellschaftliche Pflicht in einer digitalisierten Gesellschaft. Politik, Verwaltung und Träger müssen gemeinsam für verlässliche, gerechte Strukturen sorgen. Kinder- und Jugendbeteiligung muss verbindlich geregelt, ernst genommen und digital unterstützt werden. Ohne Investitionen in Infrastruktur, Personal und Schutzmaßnahmen wird digitale Jugendarbeit nicht funktionieren.
Das Internet ist eine Reise wert – aber nur, wenn wir die Reise gemeinsam antreten. Für die Jugend. Für Brandenburg. Für eine Gesellschaft, die sich nicht nur ein Bild macht, sondern bereit ist, sich gemeinsam zu bilden.
Bilder von der Veranstaltung
Das Bildungspolitische Forum findet jährlich statt. Berichte und Themen aus den vergangenen Jahren finden Sie hier: https://medienbildung-brandenburg.de/project/bildungspolitisches-forum/









