Die Medienpädagogische Werkstatt PLUS „Zukunft gestalten – KI in pädagogischer und administrativer Jugendarbeit“ fand am 14.04.2026 im Jugendclub „Alte Brauerei“ in Angermünde (Uckermark) statt. Die Fortbildung lud zur Vertiefung der medienpädagogischen Werkstatt am 20.11.2025 in Templin ein.
Haltung zeigen: Wie Fachkräfte generative KI einordnen
Zum Auftakt positionierten sich die Teilnehmenden zum Einsatz von KI in der Jugendarbeit – und schnell wurde deutlich: Die Perspektiven sind vielfältig.
Eine Frage lautete, ob Jugendliche aktiv zur Nutzung von KI für Schule und kreative Projekte ermutigt werden sollten – auch wenn sie dadurch möglicherweise weniger selbst erarbeiten. Die Meinungen gingen auseinander. Einige waren überzeugt: Jugendliche brauchen diese Ermutigung gar nicht, da sie entsprechende Tools ohnehin nutzen. Andere betonten, dass KI ein Werkzeug sei, das eigenständiges Arbeiten nicht ersetze, sondern ergänze. Wiederum andere sahen gerade für weniger kreative junge Menschen Chancen, während kritisch angemerkt wurde, dass KI-generierte Inhalte nichts mit echter Kreativität zu tun hätten und kreative Kompetenzen unabhängig davon gefördert werden müssten.
Deutlich mehr Zustimmung erhielt die Aussage, Verwaltungsaufgaben wie Abrechnungen, Berichte oder Protokolle weitgehend von KI erledigen zu lassen. Die Mehrheit hob die Zeitersparnis hervor, die wiederum mehr Raum für pädagogische Arbeit schaffe. Gerade für Berufseinsteiger*innen könne KI zudem eine hilfreiche Unterstützung beim Verfassen von Berichten oder Planungen sein. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass eine sorgfältige Prüfung der Ergebnisse unerlässlich bleibt.
Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob Jugendliche in Krisensituationen zunächst KI als Ansprechpartner nutzen sollten. Insbesondere im ländlichen Raum, wo es oft an Anlaufstellen und Fachpersonal mangelt, wurde KI als niedrigschwellige Möglichkeit gesehen, erste Hilfe zu erhalten oder Gedanken zu ordnen. Gleichzeitig wurden Risiken benannt: fehlerhafte oder unpassende Antworten könnten Krisen im schlimmsten Fall verschärfen.
Insgesamt wurde deutlich: Die Fachkräfte begegnen KI mit einer professionell-reflektierten Haltung – offen für Chancen, aber sensibel für Risiken.
Erprobung im Workshop: KI praktisch testen
Im praktischen Teil der Fortbildung führte der Medienpädagoge und Digital Artist Peter Thom durch zwei Workshops: „KI in der pädagogischen Arbeit“ und „KI in der administrativen Jugendarbeit“.
Im ersten Teil lernten die Teilnehmenden Methoden kennen, um die Funktionsweise generativer KI spielerisch zu begreifen. Dazu gehörten Einblicke in die Funktionsweise von Social-Media-Algorithmen im Hinblick auf die Verbreitung von Falschnachrichten. Außerdem wurde vermittelt, wie KI-Systeme durch Training mit Daten lernen und wie wichtig es ist, die zugrunde liegende Musterkennung zu verstehen, um Ergebnisse besser einordnen und kritisch hinterfragen zu können.
Der zweite Teil konzentrierte sich auf die konkrete Anwendung: Im Fokus standen das richtige Prompten (einem Chatbot Anweisungen geben) sowie der Vergleich verschiedener Sprachmodelle hinsichtlich ethischer Fragestellungen und fachlicher Qualität der Ergebnisse. Neben klassischen Chatbots wurden auch KI-gestützte Recherchetools wie Chat-PDF erprobt.
Fazit der Fortbildung
Der Fokus der Fortbildung lag auf der aktiven Erprobung von KI-Tools für die pädagogische und administrative Arbeit. Dabei wurde deutlich: KI ist auch ein Werkzeug, dessen sinnvoller Einsatz Kompetenzen, Reflexion und klare Haltungen erfordert. Für die Jugendarbeit eröffnet sie neue Möglichkeiten – vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll und bewusst eingesetzt.
Ebenso wichtig ist die Frage nach dem bewussten Nicht-Einsatz – aus fachlichen, pädagogischen oder ökologischen Gründen.
Diese Medienpädagogische Werkstatt PLUS war ein Angebot des lmb e.V. im Rahmen des Projekts jumblr – Jugendmedienbildung im ländlichen Raum und wurde in Kooperation mit der AG §78 des Landkreis Uckermark durchgeführt. Das Projekt jumblr wird gefördert durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg.