Bericht über das Bildungspolitische Forum des lmb am 12.07.2023

Beim Bildungspolitischen Forum am 12.07.2023 gab es rege Diskussionen zum Thema „Dystopie war gestern – Dialoge zur Medienbildung in ländlichen Räumen“.

Bildungsminister Steffen Freiberg: „Medienbildung spielt eine
Schlüsselrolle“

Nach einem Grußwort von Frank Feuerschütz, dem Vorsitzenden des Landesfachverbandes Medienbildung Brandenburg e.V. richtete der Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburgs, Steffen Freiberg ein digitales Grußwort an die etwa 40 Anwesenden. In diesem sprach er davon, dass sich junge Menschen angesichts von „tiefgreifenden Transformationsprozessen und globalen Krisen“, die unsere Welt in „Höchstgeschwindigkeit verändern“, immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen. Hierbei sieht er die „Medienbildung in einer Schlüsselrolle“: „Sie befähigt Kinder und Jugendliche ihren Alltag in der digitalen Welt zu gestalten, sie eröffnet Möglichkeiten der digitalen Teilhabe und ist wichtig für die Demokratiekompetenz.“ Darüber hinaus hob er die Bedeutung des Projekts jumblr – Jugendmedienbildung im ländlichen Raum hervor, da dieses der Diversität des ländlichen Raumes durch Benennung von Problemen und dem Aufzeigen von Lösungsansätzen gerecht wird.

Ländliche Räume Brandenburgs: Strukturelle und (medien-)pädagogische Herausforderungen

Isgard Walla, die Projektleiterin von jumblr stellte in ihrem Input Ansätze und Maßnahmen des jumblr-Projekts vor und beleuchtete dann die strukturellen Bedingungen und die damit einher gehenden Herausforderungen für Jugendliche und (medien-)pädagogische Fachkräfte in ländlichen Räumen. Sie hob auch das Potenzial der Kinder- und Jugendarbeit hervor, jungen Menschen ein kreatives und innovatives Angebot sowie die Teilhabe zu ermöglichen.

In dem sich anschließenden Podium diskutierten unter der Moderation von Dr. Tong-Jin Smith die Gäste über die eingangs erwähnten Aspekte.
Dr. Michael Kaden (DABB) hob hervor, dass in den Digitalstrategien der Kommunen in Brandenburg der Bildungs- und Jugendbereich zumeist gar nicht vorkomme.
Dr. Kathrin Rothemund (mabb) unterstrich, dass Medienbildung auch immer Demokratiebildung sei und zu einem demokratischen Miteinander auch im ländlichen Raum beitrage.
Der Wissenschaftler Eric van der Beek (Universität Hamburg) bezog sich auf den Titel der Veranstaltung, als er anmerkte, dass Dsytopie für ihn wäre, dass man glaubt, mit Technik und Breitband sei alles erledigt und dabei die menschliche Komponente vernachlässige.
Die stellvertretende Vorsitzende des lmb, Cornelia Brückner, stellte fest, dass gerade die außerschulische Medienbildung Innovationstreiber und Vernetzer sei – auch für Schulen. Sie appellierte, dass diese nicht vernachlässigt werden dürfe, sondern strukturell besser gefördert und ausgebaut werden müsse.

Denkanstöße zur Medienbildung in ländlichen Räumen

Auch den zweiten Teil der Veranstaltung leitete die Projektleiterin von jumblr, Isgard Walla, mit einem Input ein. Sie stellte acht Denkanstöße vor, die Teil der Broschüre „jumblr-Dialog 01: Denkanstöße für die Medienbildung in ländlichen Räumen“ sind. Die Denkanstöße und auch die Broschüre wurden auf dem Bildungspolitischen Forum erstmals einem Publikum vorgestellt:

  1. Gemeinsam sind wir stark.
    Lokale und regionale Netzwerke und Kooperationen leben
  2. Hey, was geht?
    Lebenswelt der Jugendlichen aufgreifen
  3. Landleben hat was.
    Identifikation mit dem ländlichen Sozialraum stärken
  4. Der Bus fährt erst morgen wieder.
    Räumliche Strukturen berücksichtigen
  5. Mach was DU willst.
    Jugendlichen mehr Autonomie geben
  6. Wir sind hier!
    Sichtbar sein
  7. Do it yourself.
    Gegebenheiten flexibel und kreativ gestalten
  8. Wissen und Erfahrungen teilen.
    Fachlichkeit (weiter-)entwickeln

 

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion äußerte der Medienpädagoge Frank Thorhauer (Maker Kutsche, AWO RV Brandenburg Süd), dass Netzwerkarbeit und das Teilen von Inhalten, Ideen und Methoden gerade für den ländlichen Raum von Bedeutung seien.
Die Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Brandenburg, Katrin Krumrey, betonte, dass die Beteiligung von Heranwachsenden auch bei Fragen der Medienbildung und der Digitalisierung vor Ort besonders wichtig sei.
Heike Rosendahl, Leiterin der Bibliothek Luckenwalde, hob die besondere Rolle der Stadtbibliotheken in ländlichen Räumen hervor. Bezugnehmend auf den Input bestätigte sie, dass für Jugendliche Orte mit zugänglichem Internet/WLAN und auch der kostenfreie Zugang zu Bibliotheken sehr wichtig seien.

In der abschließenden Runde zu den Zukunftswünschen äußerte Isgard Walla (lmb) den Wunsch, dass Entscheidungsträger*innen wie auch die Jugendämter Brandenburgs die Bedeutung und das Potenzial von Medienbildung erkennen und in der Arbeit von pädagogischen Fachkräften mit Kindern und Jugendlichen wertschätzen.

Schlussworte – Von der Utopie zur Strategie

Das Schlusswort der Veranstaltung sprach der Geschäftsführer des lmb e.V., Björn Schreiber, der die vielen bereits vorhandenen Ansätze, Errungenschaften und Strukturen, die Medienbildung und digitale Jugendarbeit in Brandenburg unterstützen, betonte. Dennoch lohne sich die Entwicklung einer Utopie der digitalen Jugendarbeit, in der Digitalisierung als natürlicher Bestandteil der Lebenswelt anerkannt ist, die inklusiv, divers ist und digitale Ungleichheiten in den Blick nimmt, die eine Haltung vertritt und Heranwachsende dabei unterstützt, eine eigene zu entwickeln, die sozialräumlich und lebensweltlich, vernetzt und auf einer fachlich fundierten Basis agiert und die strukturell fest verankert ist.
Zur Verwirklichung solch einer Utopie, die auf der Arbeit und den Projekten vieler Einrichtungen und des lmb e.V. aufbaut, braucht es jedoch vertiefte Anstrengungen. Der lmb e.V. plant daher, eine Strategie für die digitale Jugendarbeit Brandenburgs gemeinsam mit allen relevanten Akteur*innen in einem partizipativen Prozess zu entwickeln.

Bilder von der Veranstaltung

Broschüre jumblr Denkanstöße

Ihre Ansprechpartner*innen

n.n.20221026174702

n.n.

Geschäftsführer
  • Tel.: 0331-60 11 88 41
  • Mobil: 01590 - 611 9 250
  • Mail:
Isgard Walla20221028124744

Isgard Walla

Referentin für Medienbildung | Projektleitung jumblr – Jugendmedienbildung im ländlichen Raum
14. Juli 2023